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HUND HILFT PFARRER – AUSBILDUNG von AILA MAY zum ASSISTENZHUND

Dies ist die Geschichte von mir, Frank Malzacher, katholischer Priester und Gemeindepfarrer in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb, und meiner Assistenzhündin HYPO-HUND: DARK QUEST OF Shadows - AILA MAY, geboren am 4. Mai 2012, Eltern: LEO vom Schmuttertal und German Grey Shadows - Esra Eneya.

Ich bin seit vielen Jahren insulinpflichtiger Diabetiker, und als solcher lebt man ständig mit der Gefahr von Unterzuckerung, der sog. Hypoglykämie, kurz „Hypo“.

Wenn der Blutzucker unter einen kritischen Wert sinkt sendet der Körper normalerweise Warnsignale wie Zittern, kalter Schweiß, Herzklopfen usw. Der Diabetiker benötigt dann sofort Zucker damit der Blutzuckerspiegel wieder auf normale Werte steigt. Wer aber viele Jahre unter Diabetes leidet nimmt diese Warnsignale nicht mehr wahr. So kann es schnell zu lebensbedrohlichen Situationen kommen bis hin zu Krämpfen, Bewusstlosigkeit und Koma. Wie also kann man sich vor dieser Gefahr schützen?

In der Zeitschrift Insuliner Nr. 90 las ich 2010 den Artikel „HYPO-Hund selbst gemacht“ von Anna Sophie und Felix Müller: Bella von den Maiglöckchen, ein Hund, der Hypos anzeigt. Das wäre für mich die Lösung, war mein spontaner Einfall. Jeder den ich fragte ob es etwas Derartiges gebe, verneinte die Frage. Als dann 2011 im Insuliner Nr. 94 der Zwischenbericht aus dem ersten Anleitungskurs in Uelsby erschien, war mein Interesse geweckt. Durch das Internet war auch ich mit der Welt verbunden und ich verfolgte den Video-Beitrag des WDR von Lisa aus Bochum und ihrem Hypo-Hund Pepsi, einem Wolfsspitz. Ich dachte, wenn es mit einem Wolfsspitz geht, dann müsste ich das doch auch schaffen.

Allerdings hatte ich noch nie zuvor einen Hund gehabt. So fing ich 2011 und 2012  an mich mittels Literatur auf das Thema Hund vorzubereiten. 2012 nahm ich Kontakt zu Familie Müller auf. Nach einem netten Briefkontakt telefonierte ich mit Anna Sophie Müller, und ein passender Welpe war bald gefunden. Im Zwinger von Karin Hieke in Langendorf hatte es am 4. Mai einen Wurf Wolfsspitzwelpen gegeben, und ich schickte ihr per Post ein T-Shirt, welches ich beim Unterzucker getragen hatte (32 mg/dl).  Drei weibliche Welpen interessierten sich dafür. Wie im menschlichen Leben spielen die weiblichen Wesen offensichtlich auch hier eine große Rolle J.

Ich besuchte zwei Hundeschulen und schaute mir das Toben der Welpen an. Beim Sommerausflug unseres Ordinariats ging ich mit einem Therapiehund probeweise laufen, da sein Herrchen, unser Krankenhausseelsorger, zum Einsatz musste. Ende Juni fing dann der Hypo-Hundekurs bei Familie Müller in Uelsby an – noch ohne eigenen Hund. Wir lernten Hühner dazu zu bringen von einem bestimmten Punkt Körner zu essen und machten verschiedene Aufgaben um uns in einen Hund hinein zu versetzen. Das war recht lustig und hat uns viel Spaß und Freude bereitet.

Dann war es soweit, am 8. Juli holte ich meinen Welpen von Langendorf nach Trochtelfingen. Schon die Fahrt nach Hamburg zum Flughafen war für den Welpen eine große Belastung. Gebrochen hat der arme Welpe drei Mal. Die Decke seiner Mutter und Geschwister war voll, und meine Hose konnte ich zum Glück mit etwas Wasser reinigen. Dann der richtig große Stress: Flughafen. Doch auch diese Herausforderung haben wir beide gemeinsam gemeistert. Abends in Stuttgart angekommen, mussten wir auf der Fahrt nach Trochtelfingen anhalten, und hier hat AILA MAY das erste Mal „gemacht“.

Und so ging es weiter: Welpe schläft neben Bett, alle zwei Stunden heraus. Leider ist es bei mir auf der Schwäbischen Alb nicht immer so warm, vor allem nachts. Dabei zog ich mir Ende August eine Blasenentzündung zu. Durch die Einnahme von Antibiotika spielte der Blutzucker verrückt. Schließlich war ich vom Unterzucker so fertig dass ich nachts aus dem Bett fiel. Zunächst dachte ich mir nichts weiter dabei, ich hatte eine Beule am Kopf und behandelte diese mit Schwarzkümmelöl. Der Hund sprang um mich herum und war ganz aufgeregt, da sein Herrchen diesen wunderbaren Geruch hatte, bei dem es normalerweise Hundewurst vom Metzger Locher gibt.

Jeden Monat einmal hieß es nun auf zur Hypo-Hundeschule. Früh morgens raus, auf den Flughafen, Flug nach Hamburg, und dann Mietwagen nach Uelsby. Dort lernten wir unter fachkundiger Anleitung den Grundgehorsam und die Hypo-Übungen. Da mein Welpe noch so klein war, konnte ich ihm noch nicht so viel beibringen. Aber in einem war sie ganz toll: sie schnupperte am Mund und nahm den Geruch des Unterzuckers wahr. Dann gab es Clicker und die Belohnung: HUNDEWURST.

Bald war AILA MAY stubenrein, und dann ging das Zahnen los ... jeder Welpen-Besitzer kennt das wohl noch. In der Welpenschule übten wir: Laufen mit Leine, Sitz, Platz, Bleib, ...

AILA MAY begleitete mich überall hin und war bald mit Orgel, Musikverein, Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten ganz vertraut. Als Diabetiker war ich auf AILA MAY angewiesen, und dank des ärztlichen Nachweises war sie immer bei mir. Da ich als Pfarrer meine Termine, Sitzungen und Gottesdienste selbst einteile konnte sie immer an meiner Seite sein und wuchs in meine Arbeit und in ihren Aufgabenbereich immer weiter hinein.

Im Oktober stellte sich heraus, dass ich mir im August bei der nächtlichen Unterzuckerung den sechsten Brustwirbel zertrümmert hatte. Trotzdem reiste ich mit Hund immer zur Hypo-Hundeschule, und im Dezember 2012 war ich fast wieder ganz hergestellt. Im Januar 2013 folgte ein 5-tägiger Krankenhausaufenthalt: auch da war AILA MAY als Therapiehund in Ausbildung immer an meiner Seite. Der Chefarzt im Kreiskrankenhaus Schopfheim fand es ganz toll, dass der Therapiehund in Ausbildung über meinen Gesundheitszustand wacht, und passte selbst auf Aila auf als mir das MRT gemacht wurde. Der Befund - außer einem Bluterguss war alles verheilt – war ein Geschenk für mich. Die Basalrate meiner Insulinpumpe wurde ebenfalls angepasst, und ich unterzuckerte etwas weniger häufig. Ich musste nur vor dem Laufen mit Hund immer eine BE essen und ich unterzuckerte nicht mehr.

Im Februar 2013 ging der Kurs bei Familie Müller weiter, und nach Ostern hatte ich einige Tage Extra-Training bevor ich im Juni und Juli wieder weitermachte. Ich führte Trainingslisten und befragte vor jeder Messung meinen Hund, ob ich Unterzucker habe oder nicht. Wenn AILA MAY Unterzucker riecht und mich dreimal an die Backe stupst, dann nehme ich Traubenzucker, juble, klickere und gebe AILA MAY ihre Belohnung.

Allerdings hatten ich und AILA MAY die Welpenschule nicht mehr besucht. Also nahmen wir zur Vorbereitung auf unsere erste große Prüfung, den BHV Hundeführerschein, beim Hundesportverein in Reutlingen-Betzingen Einzeltraining und ließen uns von Bettina Blank fit machen. Am 03.08.2013 legte AILA MAY in Schleswig die Prüfung ohne Schwierigkeiten ab. Danach machten wir zur Belohnung zwei Wochen Ferien an der Schlei.

Ende Oktober wurde es dann richtig ernst. Am 28. Oktober 2013 fuhren wir die ganze lange Strecke mit dem Auto nach Norden. Als wir ankamen stürmte es richtig. Es wehte uns beide fast von der Straße weg. In Straßen mit hohen Tannen bewahrte mich Aila vor umstürzenden Bäumen. Sie ging dank ihres Instinktes nicht weiter. Im Hotel waren wir sicher. Aila hatte Angst vor dem Sturm, doch ich konnte sie beruhigen. Am Morgen sah es aus! Umgestürzte Bäume auf fast jeder Straße, abgedeckte Dächer, Verkehrsschilder lagen auf den Feldern.

Nun wurde jeden Tag fest geübt - Endspurt für die Therapie-Prüfung am Wochenende! Dazu gehörte auch der Besuch in der Einkaufspassage in Flensburg. Spielen mit anderen Hunden musste vertagt werden.

Am 2. und 3. November dann die Prüfung: Herrchen war angespannt und richtig nervös. Aber wir beide haben die Prüfung bestanden. Zuerst musste Aila verschiedene Hilfeaufgaben bearbeiten, unter anderem das richtige Hypo-Hemd in 5 verschiedenen Körben suchen. Wenn sie es richtig machte, jubelte Herrchen, und es gab leckere Hundewurst. Das Apportieren der Zuckertasche konnte sie auch ganz gut.

Dann der Freigang. Dort musste sie immer in Rufbereitschaft von Herrchen bleiben und ohne Leine neben ihm laufen. Wenn etwas herunter fiel durfte sie nicht danach schnappen. Immer schön auf Herrchen aufpassen, in seiner Nähe bleiben und Verlockungen widerstehen.

Später folgte die Fahrt nach Flensburg. Laufen durch Flensburg. Zutritt erbaten wir uns in einem Schuhgeschäft, Aila durfte niemanden stören oder unangenehm auffallen. Sitz und Platz im Geschäft sind nicht immer leicht, wenn einem die Leute fast auf die Pfoten treten.

Am Abend hatte ich einen schlimmen Unterzucker, doch den zeigte sie gleich an und ich nahm meine Traubenzuckerlösung und war bald wieder fit.

Und dann gab es endlich die Urkunde für AILA MAY: ASSISTENZHUND speziell HYPO-HUND. Wir hatten es geschafft und waren beide richtig froh!

Im meinem Arbeitsumfeld begleitet der Hund mich nun fast überall hin. In der Kirche ist sie der Ruhepol und schenkt mir Sicherheit. Bei Beerdigungen sind die Menschen durch Ailas Schlafen beruhigt und können den Trauergottesdienst mitfeiern. Ich kann Aila fragen, ob ich eine Hypo habe und sie zeigt sie mir an. Auch nachts hat sie mich schon geweckt und mir einen bevorstehenden Unterzucker angezeigt. Einmal konnte sie in der Nachbarschaft Hilfe holen weil ich gar nichts mehr essen konnte und hat mir damit wahrscheinlich das Leben gerettet.

Dank der intensiven Ausbildung und der zahlreichen Telefonate mit Anna Sophie Müller ist AILA MAY auch in schwierigen Situationen für mich zu einem notwenigen medizinischen Hilfsmittel geworden. Regelmäßiges Messen des Blutzuckers und die Therapie des Stoffwechsels sind weiterhin wichtig, aber durch das tägliche Laufen mit dem Hund sind bei mir fast alle Nervenstörungen verschwunden. Auch der Augenhintergrund ist dank des Laufens viel besser geworden: nur noch vereinzelte punktuelle Blutungen sind zu sehen. So betrachtet ist AILA MAY ein Joker für das Leben eines Menschen mit der Krankheit Diabetes. Speziell im Berufsleben des Priesters ist es zudem nicht immer leicht Zeit für sich, fürs Gebet und für den Sport zu finden. Durch den Therapiehund, durch das tägliche Laufen mit ihr, bin ich immer wieder in der Lage Zeit fürs Gebet und für neue gute Ideen zu finden. AILA MAY ist der Glücksgriff in meinem Leben.

Text und Fotos: Frank Malzacher

 

Unter www.hypo-hundeschule.de gibt's weitere Infos über die Ausbildung.

 

Weihnachten 2012

 

 


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