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Therapeutischer Begleiter "Leo Löwe"

               Leo Löwe im Dienst der Kinder und Jugendlichen in der Tagesklinik Böblingen

Hallo Leo !!! klingt es durch die Flure, wenn wir morgens gegen 8.00 Uhr die psychiatrische Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in Böblingen betreten. Dass ich erst danach und nicht ganz so freudig gegrüßt werde, bin ich schon gewohnt, wenn ich mit Leo zur Arbeit gehe.
Selbstbewusst und stolz, so als sei er sich seiner Wichtigkeit und Bedeutung bewusst, trabt das kleine Fellbündel vor mir her geradewegs ins Sekretariat. Erst mal ein Leckerli abholen von unserer netten Sekretärin, die eigentlich Angst vor Hunden hat, sich von Leo mittlerweile aber gern bezirzen lässt.

Nein, Leo ist kein kläffender Wadenbeißer. Mit Sanftmut und liebevoll neugierigen Blicken, erobert er die Herzen im Sturm. Sogar unserem Sporttherapeuten, der Hunden normalerweise nicht zugewandt ist und schlechte Erfahrungen beim Joggen mit Hundehaltern gemacht hat, zaubert er ein Lächeln ins Gesicht.

In der Tagesklinik werden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren behandelt, die das ganze Spektrum kindlich-jugendlicher Verhaltensauffälligkeiten in den Bereichen der Beziehung und des Lernens sowie der psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen aufweisen. Dahinter verbirgt sich oft viel Kummer, Not und manch schweres Schicksal der noch jungen Patienten.
Zum Beispiel Scheidungskinder, die im „Rosenkrieg“ der Eltern gnadenlos zerrieben werden oder autistische Kinder, die in ihrer eigenen Welt leben und mit der Umwelt in Konflikte geraten. Dann sind da noch die sogenannten Zappelphillippe, die ständig in Bewegung sind und nicht in der Lage sind, sich in der Schule zu konzentrieren. Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer seelischen Verfassung und ihres auffälligen Verhaltens von Mitschülern gehänselt und manchmal auch gemobbt werden, so dass sie den Schulbesuch verweigern. Ängstliche und depressive Kinder, z.B. nach Verlust eines Elternteils oder emotional verwahrloste und missbrauchte Kinder.
So ist jedes einzelne Schicksal individuell, doch allen gemeinsam ist, dass sie immer wieder in Situationen geraten, in denen sie an den Anforderungen der Umwelt scheitern. Sie benötigen therapeutische Hilfe und Unterstützung.
Der Gedanke, dass hier ein Hund hilfreich sein könnte, begleitet mich schon einige Zeit und ist für mich als leidenschaftliche Hundehalterin reizvoll, zumal ich doch aus eigener Erfahrung mit meinen beiden Mischlingshunden um die wohltuende Wirkung der Fellnasen weiß.
Nach dem Studium von Fachliteratur, insbesondere dem Buch der Ärztin Anke Prothmann, die die Wirkung von Tieren auf Kinder wissenschaftlich untersucht hat, stand mein Entschluss fest, mir einen geeigneten Hund zuzulegen.

Fündig wurde ich bei der Züchterin Anita Kirsch („Mein Augenstern“), die mit einem Kleinspitzrudel auf der Schwäbischen Alb wohnt . Mich hat unter anderem das gute Sozialverhalten der Kleinspitze begeistert.
So konnte Leo Löwe, fünf Monate alt, bestens geprägt und sozialisiert, im November 2008 bei uns einziehen.
Um auf seine künftige, ganz besondere Aufgabe vorbereitet zu sein, absolvierte Leo beim Malteser Hilfsdienst e.V. die Ausbildung zum Besuchshund, die bundesweit einheitlich ist. Hier wurde bewusst auf den Namen Therapiehund verzichtet, da dies kein geschützter Begriff ist und auch auf einem Wochenendseminar zu bekommen wäre.
Leos Ausbildung dauerte ein halbes Jahr, angefangen mit einem Eignungstest und Festigung des Grundgehorsams, bis hin zur Überprüfung der Wesensfestigkeit. Das heißt, er muss ein absolut friedfertiges Verhalten zeigen. Auch extreme Stresssituationen, wie sie zum Beispiel von fremden Personen, die bedrängend, grölend und mit seltsamen Geräuschen auf den Hund zugehend, hervorgerufen werden, muss er „ locker wegstecken“ können. Dabei gehören längere Umarmungen oder Beschimpfungen, die der Hund sich gefallen lassen muss, ebenfalls zum Ausbildungsprogramm. Die Reaktionen in diesen stressigen Momenten sind entscheidend, ob ein Hund die Abschlussprüfung bestehen wird oder nicht.

Leo meisterte alle Aufgaben mit seiner ihm innewohnenden Gelassenheit und Charme. Vom Hundetrainer wurden wir als Traumteam bezeichnet und bestaunt, denn noch nie zuvor wurde bei der Ausbildung ein kleiner Spitz – auch als Perwoll-Schäfle bezeichnet – gesehen.

Nach bestandener Prüfung konnte der Einsatz in der Klinik nach Formalitäten wie dem Erstellen des Hygieneplans, den Nachweisen über Impfungen und Entwurmungen, der Einwilligung der Eltern und nicht zuletzt durch die Unterstützung der leitenden Ärztin und allen Kollegen/innen im Oktober 2009 losgehen.

Nun einige Beispiele aus der täglichen Praxis:

Bei der Aufnahme eines achtjährigen Mädchens, das schon seit einiger Zeit nicht mehr zur Schule gehen kann, weil es unter Trennungsängsten leidet und über heftige somatische Beschwerden klagt, bin ich mit Leo anwesend.
Im Aufnahmegespräch sitzt sie nahe bei ihrer Mutter und schaut verängstigt. Das Gespräch mit der Therapeutin kommt nur schwer in Gang, bis ihr Blick auf Leo fällt, der ruhig und geduldig neben mir liegt.
„Ach, ist der süß, darf ich ihn streicheln?“ fragt sie spontan. Da ist das Eis gebrochen, die Situation entspannt sich. Nun kann die Aufnahmeprozedur ihren routinemäßigen Lauf nehmen, mit dem hilfreichen Hund an der Seite.
Durch die Anwesenheit und Zutraulichkeit von Leo entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre. Das Mädchen wird von ihrem Kummer abgelenkt. Leo erklärt, fordert oder erwartet nichts, er ist einfach da, anders als Eltern, Erzieher und Therapeuten.

In einer anderen Situation, in der ein 10-jähriger Junge auf der Station eintrifft, völlig aufgebracht, zornig und weinend, wirkt Leo deeskalierend. Zunächst soll der Junge in einen geschützten Raum gehen, was hier nur in Begleitung von Leo möglich ist. Denn alles gute Zureden und Erklären hilft oft wenig.
Der Junge geht mit gesenktem Blick und düsterer Miene hinter dem fröhlich voraustrabendem Hund in den Ruheraum. Er setzt sich auf den Boden, Leo schnuppert an ihm und drückt sein Köpfchen gegen seine Brust. Der Junge fängt nun vorsichtig an Leo zu streicheln. „Der Leo hat mich lieb!“ sagt er spontan mit aufgehelltem Gesicht.
Leo dagegen weiß nichts von Konflikten und Streitereien, er ist einfach nur da, gibt dem Jungen das Gefühl gemocht und angenommen zu sein. Er stellt keine „dummen“ Fragen, will keine „anstrengenden“ Antworten.
So kann sich das Kind entspannen und es wird Zeit und Raum geschaffen für ein Gespräch, um dann später Lösungen zu erarbeiten.

In der Projektgruppe betreue ich 5 Jungen im Alter von 7-10 Jahren mit den Krankheitsbildern Autismus, Störung des Sozialverhaltens, Angststörungen, Anpassungsstörungen, also eine muntere Truppe, die den Betreuern einiges abverlangt.
Ein Waldspaziergang steht auf dem Programm, natürlich mit Leo Löwe. Jetzt geht es darum Aufgaben aufzuteilen, sich zu einigen, soziale Kompetenz zu erlernen. Jeder erhält eine Aufgabe. So darf ein Junge Leo an der Leine führen, ein anderer sucht einen Baumstamm, auf den Leo springen kann. Eifrig sind die Kinder dabei und wechseln sich problemlos ab. Ein Leckerli bekommt Leo aus der Hand eines ängstlichen Kindes, das sich noch nicht getraut Leo zu streicheln. Wow, der Hund macht es ganz vorsichtig und das Kind überwindet seine Angst. Diese Mutprobe wäre geschafft! Das Selbstvertrauen wächst.
Ein anderes Kind deutet auf eine umgestürzte Baumwurzel. Ob Leo es schafft diese zu erklimmen? Gemeinsam klettern Kind und Hund hinauf und fühlen sich wie die Könige des Waldes! Dazu das Lied trällernd: Männer wie wir sind einfach unschlagbar....
Leo hilft die Gruppe zu strukturieren, indem er die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und Aktivitäten anbietet.
Mit Elan und Ausdauer holt er das geworfene Bällchen zurück, führt Kommandos aus und zeigt kleine Kunststückchen wie Pfote geben oder tanzen.“Der gehorcht aber gut!“ höre ich von erstaunten Kindern.
Hier haben die Kinder die Gelegenheit „ungestraft Macht“ auszuüben, werden so selbst zu Erziehenden. Natürlich immer unter Anleitung und maßvoll.

In der Therapiegruppe, geleitet von einer Ärztin, wird soziale Kompetenz mit Spielen und Übungen erlernt. Die Gruppe besteht aus 4 Kindern zwischen 10 und 14 Jahre.
Leo liegt als stiller Beobachter daneben und sorgt mit seiner Anwesenheit für eine ruhige Atmosphäre. Leo zuliebe kann man doch etwas leiser sein, damit er schlafen kann. So kann dann auch konzentrierter gearbeitet werden.

Im Stationsalltag ist Leo meist an meiner Seite und bewegt sich frei. Dadurch kann er angesprochen, gestreichelt oder auch nur beobachtet werden. Für Ruhepausen nutzt er sein Körbchen im Dienstzimmer, wo er sich ungestört ausruhen kann.
Nach der Eingewöhnungszeit ist für ihn der Arbeitstag abwechslungsreich und interessant. Er hat Spaß beim Spielen und Toben mit den Kindern oder genießt es einfach auch nur dabei zu sein.

Leo Löwe ist kein Therapeut aber Seelentröster, Freund, Spielkamerad und aufmerksamer Zuhörer. Er ist da ohne Vorbehalte, bedingungslos mit seinem ganzen Charme.
Das ist SPITZE !!!

Heide Thomsen-Newe, Krankenschwester

 


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